Passionskonzerte gibt es derzeit viele. Doch was der Kammerchor der Darmstädter Kantorei unter der Leitung von
Christian Roß in der Jesuitenkirche Heidelberg zu bieten hatte, war nicht nur anspruchsvoll, sondern auch ein
Schnelldurchlauf durch gut 400 Jahre Musikgeschichte. Auf dem Programm standen zwei Motetten von Johann Hermann
Schein und Werke von Bach, Reger, und Francis Poulenc. Markus Uhl an der Orgel komplettierte die musikalische Zeitreise mit zwei Stücken von Brahms und Bach.

Gleich zu Beginn ließ der Chor bei den fünfstimmigen Motetten von Schein "Was betrübst Du Dich, meine Seele" und "Zion
spricht: Der Herr hat mich verlassen" sein musikalisches Potential durchschimmern. Eindrucksvoll, wie die Darmstädter
auch auf kleinste Gesten ihres Dirigenten reagierten und so mit extremer Dynamik eine unglaubliche Spannung aufbauten, die durch die Akustik der Jesuitenkirche noch verstärkt wurde. Schade nur, dass der ansonsten sehr homogene und auch den
Höhen reine Sopran bei den Fugeneinsätzen Probleme mit der punktgenauen Artikulation bekam. Präzise ausgestaltet dagegen die Tempiwechsel in den nicht ganz einfachen doppelchörigen Bach-Motetten "Fürchte Dich nicht, ich bin bei dir" (BWV 228) und "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf" (BWV 226), auch wenn der eine oder anderen Soloeinsatz der Chores vielleicht etwas dünn klang.

Diesen hoffnungsvollen und tröstenden Werken von Bach stand Regers Chorwerk "O Tod, wie bitter bist du" gegenüber. Es ist letzte der drei Motetten op. 110, die Reger seinem Vorbild Bach widmete und die ein Aufbäumen gegen den Tod ebenso
darstellt wie die Hoffnung auf Erlösung. Der Chor kostete ausdrucksstark und dynamisch sehr fein abgestuft die für Reger
typischen Dissonanzen aus und entwickelte im Tutti einen beeindruckenden und komplexen Klang. Den bekam man auch bei Poulencs sechsstimmiger Kammerkantate "Un soir de neige" (Schneenacht) zu hören. Bei dieser bewegten und schönen Musik musste der Sopran allerdings dem vorausgegangenen anspruchsvollen Programm Tribut zollen: Hohe Einsätze gerieten hier des Öfteren unsauber. Doch dem positiven Eindruck des Konzertabends tat das keinen Abbruch.

(Kathrin Frank, Rhein-Neckar-Zeitung, 19.02.2008)