DARMSTADT. Die Darmstädter Kantorei und die Philharmonie Merck unter der Leitung von Christian Roß begeisterten ihr Publikum beim Höhepunkt der Reihe „Cantate!“ am Sonntag in der Darmstädter Stadtkirche mit Mendelssohns „Lobgesang“ und Bachs „Gloria“.

Markant intonieren die Posaunen das zweitaktige Eingangsmotto, das sich leitmotivisch durch den „Lobgesang“ zieht und nachhaltig in Erinnerung bleibt. Schon in der Sinfonia entfaltet sich die instrumentale Klangpracht des Orchesters sowohl in den gewichtigen sinfonischen Passagen wie auch in den solistisch exponierten Stimmen. Packend gestaltet das große Ensemble die Sinfonie-Kantate mit ihren vielfarbigen klanglichen Reflexionen zum Thema Licht.
Starke musikalische Impressionen gelingen: dramatische Wucht im Eingangs- und Schlusschor, spannungsreiche Sprachgestaltung des Tenors Simon Bode im Allegro agitato des Solosatzes „Stricke des Todes“, lyrische Momente im Duett „Ich harrete des Herrn“, das die Sopranistinnen Adréana Kraschewski und Erica Brookhyser schlicht und innig gestalten. Der Dirigent überzeugt mit immer wieder überraschenden Wechseln von Triumphgesang zu lyrisch-feindifferenzierter Klangsprache. Höhepunkt des Werkes ist der aus der Stille geborene, wiederholte Angstruf „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ Melodisch zum Zerreißen gespannt und vom Solotenor eindringlich deklamiert, gelingt die dramatische Zuspitzung. Gewissheit bringt erst die Antwort der Bläser und des Chores. Die Angst löst sich auf im tröstlichen Jubel der Chorstimmen „Die Nacht ist vergangen“.
Hier wird das Licht zum Ton. Der Chor meistert beeindruckend das schon fast martialische Fugato. Faszinierend, in welche Stille und Konzentration Roß seine Chorsänger im folgenden A-cappella-Choralsatz führt. Überzeugend schön gelingt der atmosphärische Wandel aus den Turbulenzen in die gebundene Ruhe. Mit der Wiederkehr des Eingangsmotivs „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ wird ein kraftvoller Schlussakzent gesetzt. In diesen Jubel möchte der Zuhörer einstimmen.
Zuvor wurde Bachs „Gloria-Kantate“ zum schlanken, barocken Einstieg in den Abend: Der Chor meisterte hier die Schwierigkeit des vokalen Satzes mit Leichtigkeit. Christian Roß genügten kleine präzise Impulse, um den angemessenen musikalischen Ausdruck zu initiieren.
Werke von Bach und Mendelssohn an einem Abend – eine schlüssige Verknüpfung. War es doch Mendelssohn, der die Bach-Renaissance einleitete.

(Darmstädter Echo, 20. Dezember 2011  | von Dorothea Buchmann-Ehrle)