DARMSTADT. Lang anhaltender Beifall für Sänger und Instrumentalisten: Ein Konzert eröffnete am Samstag in der Darmstädter Stadtkirche den zweiten Teil des „Sechs-Farben-Projekts“.

Ungemein belebt und fröhlich gestaltete sich der Auftakt zum ersten Konzert der „Sechs-Klang“-Reihe in der Darmstädter Stadtkirche, die das seit vergangenen Herbst laufende „Sechs-Farben-Projekt“ musikalisch bereichert. Was da zum Beginn als „La Benaglia“ von Giovanni Legrenzi daherkam, war eine Kirchensonate, deren zum Teil tänzerische Sätze durch langsame Überleitungen verbunden sind. In der Interpretation von Donata Wilken und Monika Nußbächer-Opitz (Violinen), Katrin Ziegler (Violoncello) und Stadtkirchenkantor Christian Roß am Cembalo bot dieses virtuose Stück ebenso wie die einem ernsteren Ton verpflichtete, aber nicht weniger anspruchsvolle Sonata a tre von Francesco Turini eine feierliche Einstimmung auf das Hauptwerk des Abends, das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi.

Dieses über mehrere Jahre hinweg entstandene Werk des frühen 18. Jahrhunderts erfreut sich andauernder Beliebtheit, aber am Samstag lohnte es sich, den Dauerbrenner wiederzuhören. Der Trauer der Mutter Maria um ihren Sohn Christus gewidmet, glänzt dieses Stück im zweiten Teil durch kämpferische Zuversicht und den Wunsch, der Kreuzigung durch Liebe und Empathie einen Sinn zu geben.

Im „Stabat Mater“ liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den beiden Sängerinnen, denen das Orchester, nun bereichert um Viola (Johanna Brückner) und Violone (Reinhard Terhaerst), begleitend zur Seite stand. Während die Instrumentalisten im ersten Duett ein wenig mit Intonationsproblemen zu kämpfen hatte, ließen sich Susanne Hladek-Bach (Sopran) und Katharina Roß (Alt) durch nichts irritieren. Mit diesen beiden Sängerinnen haben sich zwei warme Stimmen gefunden, die sowohl einzeln als auch im Zusammenklang Sicherheit und Präzision vermitteln. Dies gilt intonatorisch wie auch in der Bewältigung der großen tonlichen Abstände, die einen gekonnten Wechsel zwischen Kopf- und Bruststimme verlangen.

Harmonische Reibungen in Pergolesis Stimmführung klingen da genau so selbstverständlich wie die Übereinstimmung in den vielen Verzierungen. Ruppigen, insbesondere vom Orchester schön aggressiv gespielten Stellen wie im fünften, fragenden Teil des Werks, steht eine immer wieder genau gedachte Tonentwicklung im Detail der Sängerinnen gegenüber. Leidenschaftlich begegneten Orchester und Solistinnen der Feuer-Symbolik im achten und elften Satz.
Mit Roland Helds launigen Erläuterungen über die Farbe „Violett“ zu der zweiten, auf die Passionszeit bezogenen Farbstation im „Sechs-Farben-Projekt“, in dem geflochtene Bänder in sechs Violett-Tönen den Altarraum vom Kirchenschiff trennen, wurde Marie-Luise Freys Installation im Anschluss eröffnet.

(Darmstädter Echo, 27. Februar 2012 | Von Susanne Döring)