Chöre – Wer mitsingt, zahlt weniger Eintritt: Das erste „Sing-Along-Konzert“ im Staatstheater Darmstadt

DARMSTADT. Der Chor des Musikvereins Darmstadt, die Darmstädter Kantorei und viele Gast-Sänger verbreiteten große Freude im Konzert am Pfingstsonntag. Zum ersten Mal konnten die Darmstädter im Staatstheater ein „Sing-Along“ erleben.
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„Der Sopran hat gewonnen“, meinte augenzwinkernd ein Besucher des ersten Darmstädter Sing-Along-Konzerts am Pfingstsonntag im Darmstädter Staatstheater. Nein, um eine Sängerschlacht im Sinne von Wagners „Meistersingern“ ging es nicht bei der Aufführung von Händels „Messias“. Aber ein großes Sängerfest lieferten die vereinigten Chöre des Darmstädter Musikvereins und der Darmstädter Kantorei allemal, die von kurzfristig begeisterten Sängern im Publikum unterstützt wurden. Darunter befanden sich viele Sänger aus nicht teilnehmenden Chören.

Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Gäste den Messias schon einmal gesungen hatten, den Klavierauszug besaßen, eine ermäßigte Eintrittskarte erworben und an einer Probe am Samstag teilgenommen hatten. Geschätzte 400 Sänger schienen viel Spaß bei der Sache zu haben, wie auch das nicht sehr große übrige Publikum. Den besten Platz hatten wohl die beiden Dirigenten, Stadtkirchenkantor Christian Roß und der neue Chordirektor des Staatstheaters, Markus Baisch. Zwischen den Chören auf der Bühne und den Gastsängern in den vorderen Reihen des großen Hauses muss sich ihnen ein phänomenal satter Surround-Sound präsentiert haben.
Dass unter den gegebenen Umständen keine ganz ausgefeilte Dynamik oder perfekt aufeinander abgestimmte Einsätze der Chöre zu erwarten waren, war klar. Aber dennoch erstaunte die Geschlossenheit der Aufführung, was auch der hervorragenden Leistung der Musiker des Staatsorchesters und der Solisten Aki Hashimoto (Sopran), Erica Brookhyser (Alt), Minseok Kim (Tenor) und Werner Volker Meyer (Bass) zuzuschreiben ist. Vor allem Hashimoto begeisterte in ihren Arien mit müheloser Höhe, blitzblanken Koloraturen und einfallsreichen Verzierungen. Im Orchester erfreute besonders die klangschön gespielte Trompete in der Arie „The trumpet shall sound“, die Meyer freudig-temperamentvoll gestaltete.
Sinnvoll ergänzten sich die beiden Chorleiter, die über Bildschirme zu den Gast-Sängern hin übertragen wurden: hier der auf Bedächtigkeit hin agierende Christian Roß, dort ein energetisch stärker aufgeladener Markus Baisch. In der Zugabe managten beide das berühmte „Halleluja“ im Doppelpack. Roß dirigierte die Gäste, Baisch die Chöre. Der minutenlang anhaltende Beifall galt allen Beteiligten.

(Susanne Döring, Foto: Claus Völker, Darmstädter Echo, 29.05.2012)