Konzert - Philharmonie Merck und Chöre mit der "Auferstehungssinfonie" in Darmstadt

Eine beeindruckende Interpretation von Gustav Mahlers 2. Sinfonie boten am Sonntag die Philharmonie Merck und die Chöre von Frankfurter Kantorei und Darmstädter Kantorei im Darmstädter Staatstheater. Die „Auferstehungssinfonie“ führte die Zuhörer durch alle Gefühle zwischen Himmel und Erde.
DARMSTADT. Gustav Mahler war in den Anweisungen in seinen Partituren sehr fürsorglich: „Nehmen wieder ihren Platz im Orchester ein, doch mit Bedacht darauf, nicht durch Geräusch den ’a cappella’ Gesang zu stören.“ Derart wandte er sich an die Blechbläser des Fernorchesters, die ihren Platz auf der Bühne zeitweilig verlassen müssen, um, wie es am Sonntag im Staatstheater gehalten wurde, von hinter der Bühne größere Raumwirkung zu entfalten. Dieser Moment, in dem der Chor seinen ersten Einsatz hat, ist eine Herausforderung: Eineinviertel Stunden dürfen die Sänger keinen Ton von sich geben, um dann ohne Begleitung die Worte zu singen, die der 2. Sinfonie ihren Namen gegeben haben: „Aufersteh’n, ja aufersteh’n“.

Bis dahin hatte Dirigent Wolfgang Heinzel die Merck-Philharmonie und die Zuhörer durch Himmel und Hölle, Idylle und Wahn, Leben und Tod geführt. Mahler wollte alles mit dieser Sinfonie: eine weit gespannte Thematik, Durchmischung musikalischer Formen wie klassischer Sinfonie und Lied, Totenmarsch und Ländler, Harmonie und Dissonanz. Schon an der Orchesterbesetzung lässt sich das Streben nach Größe ablesen. Und so entfuhr es auch einer Zuhörerin im Publikum, als sich der Vorhang öffnete und den Blick auf Riesenorchester und etwa 150 Sänger freigab: „Oh mein Gott!“

Heinzel leitet das Orchester mit Sicherheit und vor allem musikalischem Gespür. Wunderbar lenkt er die Musiker auf die vielen Höhepunkte in der Musik hin, um diese dann gleich wieder in fließender Dynamik zurückzunehmen. Immer ist ein konsequenter Zug zu fühlen, der die Teile des Werks zusammenhält. Ob Apokalypse mit wuchtigen Trommelwirbeln, feine Ironie im dritten Satz mit der Nachbildung von Fischschwärmen und taumelndem Weltgetriebe, Anklänge an kirchliche Bläser-Choräle oder harmloser Dreiertakt im zweiten Satz: Das Orchester bleibt transparent und konzentriert im Geschehen. Schön arbeiten Stimmen ihre Soli heraus, besonders Soloflöte und Solovioline stechen hervor.

Bei diesen Chören passt alles zusammen

Und dann der Choreinsatz. Die Chöre von Frankfurter Kantorei (künstlerische Leitung: Winfried Toll) und Darmstädter Kantorei (Christian Roß) meistern den Einstieg fabelhaft, als das Orchester wieder einstimmt, passt die Intonation genau. Klangstark setzt sich der Chorsopran über das Orchester. Die Solistinnen Susanne Serfling (Sopran) vom Darmstädter Staatstheater und Stefanie Schaefer (Mezzosopran) vom Staatstheater Karlsruhe haben nicht so sehr viel zu tun, aber erledigen dies mit wunderbar natürlicher Stimme (Schaefer) und schön durchklingendem Sopran (Serfling). Anrührend gestaltet Schaefer ihren Gesang aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, tragend bringt Serfling ihren klaren Sopran zu Gehör.

(Darmstädter Echo, 06. Mai 2014, Susanne Döring)