MUSICAL – Das Jugendmusical „Lachflash“ wird heute in der Stadtkirche uraufgeführt – Vorstellungen bis Sonntag

Nichts zu lachen haben die Menschen in der Zukunft – das soll sich bald ändern: Jugendliche der Singschule der Darmstädter Kantorei proben ihr neues Musical „Lachflash“, das ab heute frei Tage lang in der Stadtkirche gespielt wird. Kantor Christian Roß hat es komponiert, rund dreißig Kinder und Jugendliche aus der Singschule der Darmstädter Stadtkirche bringen es zur Aufführung: „Lachflash“ heißt das Jugendmusical, das die jungen Sänger zum Heinerfest bringen. Ab heute bis Sonntag ist das spaßige Stück täglich zu erleben.

DARMSTADT.  Eine Zeitreise durch die Geschichte des Lachens, das könnte am heutigen Freitag lustiger werden als das Spiel Frankreich-Deutschland. Während man beim Fußball nicht immer ein tolles Spiel erwarten darf, verspricht der Nachmittag in der Stadtkirche Darmstadt ein kleines Highlight zu werden. Die Jugendlichen zwischen zehn und fünfzehn Jahren – alle gehören zur Singschule der Darmstädter Kantorei – machten bei der Generalprobe am Mittwoch ihre Sache jedenfalls hervorragend. Musikalisch unterstützt von einem Streichquartett mit Flötistin sowie dem Kantor Christian Roß am Klavier und elektrischer Orgel und einigen erwachsenen Solisten, meisterten sie ihre Gesangspartien bestens.

Die Singschüler reden beim Thema mit

Auf die Frage, wie ihnen das Musical gefalle, antwortet Jule: „Voll cool!“. Ihre Freundinnen pflichten ihr beim Einkleiden vor der Probe unisono bei. Kein Wunder, dass ihnen „Lachflash“ gefällt. Singschul-Leiter Christian Roß hat es ja nicht über die Köpfe der Mädchen und Jungen hinweg geschrieben. Die jungen Talente haben bei der Geschichte mitbestimmt.

Auf das Thema Lachen sind sie gekommen, weil sie selbst (auch während der Proben) immer wieder so viel gelacht und gekichert haben, „dass es auch manchmal nervte“, erzählen Louisa und Sofia, dreizehn und zwölf Jahre alt, freimütig. Die Lieder, die ihr Chorleiter dann geschrieben hat, gefallen ihnen richtig gut. Das Liebeslied „Mit Dir an meiner Seite“ etwa, oder „In die Ferne“.

Beides wird im Stück angesprochen: das Miteinander und der Blick über den eigenen Horizont hinaus. In diesem Fall führt die Suche nach dem Sinn oder Unsinn des Lachens in die Vergangenheit. Die Jetztzeit auf der Bühne liegt in der Zukunft: Die menschlichen Kulturen sind untergegangen und die Gesellschaft der Zukunftswesen hält nichts von ungezügelten Emotionen.

Mit Vollkommenheitsübungen und perfektem Zeitmanagement versuchen die Herrschenden gegen jeden Kontrollverlust anzukämpfen. Als sich eine kleine Gruppe gegen die Effektivitäts-Parolen wehrt und beginnt, für eigenständiges Denken und Gefühle einzustehen, erwärmen sich nach und nach auch die anderen für diese kühne Idee.

Kampf den lustlosen Perfektionisten

Mit Hilfe neuester Techniken, unter Einsatz von Google und einer Art Laptop beamen sie sich bis ins Mittelalter hinein, begegnen einem Franziskaner-Mönch, Persönlichkeiten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Martin Luther, fiktiven Figuren wie Timm Thaler, der sein Lachen verkaufte, und vielen anderen. Da lernen die Kinder der Zukunft, dass nach Aristoteles das Lachen von den Göttern kommt.

Bettina Geyer führt Regie bei diesem Musical. Sprech- und Gesangspartien wechseln sich ab, manche der jungen Sängerinnen und Sänger haben ein kleines Solo. Die Kinder gruppieren sich unterschiedlich auf der Bühne, so dass es nie langweilig wird – auch, weil die Darsteller ihre Rollen mit Ausdruck füllen.

Vortrefflich setzt der Chor die Musik von Christian Roß um, die mit vielen stimmungsvollen Klangbildern vielfältig in die Musikgeschichte eintaucht. Barocke Choral-Fragmente oder Mozarts „Papageno“-Arie werden an passender Stelle motivisch eingebaut. Im Augenblick der Teleportation wird die Komposition zeitgenössisch dissonant.

„Es ist schön zu sehen, wie sich alles zusammenfügt und jeder einzelne und die Gruppe über sich hinauswachsen“, sagt Christian Roß, der das Musical in seiner Freizeit komponierte und mit den Texten angenehm die Sprache der jungen Chormitglieder trifft. Auch Bettina Geyer bezog die Jugendlichen bei der szenischen Erarbeitung stets mit ein: „Gerade deshalb entsteht am Ende eine ganz eigene Dynamik und Energie.“

(Darmstädter Echo, 04. Juli 2014 | Bettina Bergstedt)