Rossini-Messe – Neue Reihe in Stadtkirche: Darmstädter Kantorei startet in den Advent

Sakraler Swing und italienischer Belcanto-Gesang: Mit Rossinis „Petite Messe Solennelle“ eröffnete die Darmstädter Kantorei unter der Leitung von Christian Roß am Samstag die Reihe „Cantate“ in der Stadtkirche.

 

DARMSTADT. Als seine „letzte altersbedingte Todsünde“ bezeichnete Rossini seine „Petite Messe Solennelle“. Das autografe Manuskript der 1863 entstandenen Messe enthält eine ironische Widmung an „den lieben Gott“: „Hier ist sie vollendet, diese ärmliche kleine Messe. Habe ich nun heilige Musik geschrieben oder vermaledeite Musik? Ich wurde geboren, um komische Opern zu schreiben, du weißt es nur zu gut. Nicht viel Wissenschaft, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei gesegnet und gewähr mir einen Platz im Paradies.“ Unter der Leitung von Christian Roß wurde das Werk am Samstag von der Darmstädter Kantorei in der voll besetzten Stadtkirche zur Aufführung gebracht.

Nichts Gravitätisches haftet der Messe an, die statt sakralem Pathos Musizierlust und pure Lebensfreude ausstrahlt. Dennoch schwingt in jeder Note eine tief beseelte, dem Leben positiv gegenüberstehende Religiosität.

Die schlank geführte, klar fokussierte Stimmgebung des Chores, der das Kyrie intonationsrein aufleuchten ließ, harmonierte perfekt mit der beschwingten Leichtigkeit der Musik. Die eindringliche Diktion und der flexible, warme Stimmklang verlieh dem Kyrie eine besondere Intensität.

Statt sich zu vokalen Kraftausbrüchen hinreißen zu lassen, setzte der Chor seine stimmlichen Mittel in feiner Dosierung ein. Den glasklaren hohen Sopraneinsätzen im „Gloria“ folgten die anderen Stimmen nicht weniger ausdrucksvoll nach und verschränkten sich zu einem ebenso strahlkräftigen wie homogenen Klangkörper.

Begleitet wurde die Messe von Misty Schaffert am Flügel und Burkhard Engelke am Harmonium. Während der mit ungewöhnlichen rhythmischen Finessen gespickte Klavierpart die Messe mit lebendiger Agilität durchpulste, tauchte das Harmonium die vitalen Klänge in die Aura des Sakralen.

Spritzige Tempi und ein Höchstmaß an Swing

Die mitreißenden, spritzigen Tempi, die Christian Roß vorgab, entlockten der Messe ein Höchstmaß an Swing, ließen den ernsten und dramatisch aufgeheizten Moment aber dennoch genügend Raum, um klangmächtig zu Entfaltung zu kommen.

Eine glückliche Hand bewies der Kantor auch bei der Wahl der Solisten, deren Stimmen sich in den Soloensembles überzeugend mischten und sich nahtlos in das Klangideal des Chores einfügten.

Aus dem Solistenquartett stach vor allem die Sopranistin Aki Hashimoto hervor, ansonsten auch im Opernensemble des Staatstheaters Darmstadt zu hören. Wahrhaft im Sinne des Belcanto gestaltete sie das berührende „Cruzifixus“ wie das „Salutaris“ durch alle Lagen hindurch ausgeglichen, auf leuchtenden, weit gespannten Bögen aus.

Während Gesangssolist Daniel Sans im opernhaft auftrumpfenden „Domine Deus“ für tenorale Strahlkraft sorgte, setzte Bariton Timothy Sharp im „Quoniam“ markante dunkeltimbrierte Akzente. Eines der Glanzstücke der Aufführung war das Duett zwischen Sopran und Alt, die im „Qui tollis“ mit flammender Intensität miteinander verschmolzen.

Einen wirkungsvollen Schlusspunkt setzte die Altistin Katharina Roß mit dem dramatisch aufgeladenen „Agnus Dei“, das sich im Wechselgesang mit dem Chor mit intensivem Stimmklang auskostete.

(Darmstädter Echo, 01. Dezember 2014 | Silvia Adler)