Konzert – Christoph Bornheimer zu Gast an der Orgel der Darmstädter Stadtkirche

Das traditionelle Orgelkonzert zum Jahresabschluss in der Stadtkirche bestritt diesmal der in Darmstadt geborene Organist Christoph Bornheimer. Er setzte eines der großen Orgelwerke Bachs, Präludium und Fuge e-Moll BWV 548, mit Kompositionen aus der Romantik in Beziehung.

DARMSTADT. Weit in die Zukunft weist Johann Sebastian Bach mit seinem aus den letzten Leipziger Jahren stammenden Orgelwerk Präludium und Fuge e-Moll. Von Chromatik durchtränkt ist vor allem die Fuge mit ihrem sich originell spreizenden Thema, und genau hier liegt der Ansatz für viele romantische Meister, wenn sie sich auf die Suche nach kontrapunktischen und harmonischen Kühnheiten begeben.

Dies machte der junge Organist Christoph Bornheimer in seinem klug aufgebauten Silvester-Programm deutlich, wenn er Werke von Schumann, Mendelssohn, Brahms und Wagner auf Bach folgen ließ. Bornheimer, der zunächst in Darmstadt bei Wolfgang Kleber, Oliver Kolb und Cord Meijering Unterricht bekam, bevor er in Heidelberg Kirchenmusik studierte, hat die Gabe, Musik bei technisch tadelloser Wiedergabe gleichsam zu durchleuchten und auch komplizierte Vorgänge verständlich zu machen. Dies bewies er eingangs mit der zugleich kompakten und virtuosen Deutung des Doppel-Werks von Bach, auch wenn ihn seine Spielbegabung manchmal zu ungewohnten Tempoverschärfungen hinriss.

Robert Schumann nahm für seine sechs Fugen op. 60 den Namen B-A-C-H als Thema, womit Chromatik als Ausgangspunkt bereits programmiert ist. In den beiden ersten Stücken dieser Serie betonte der Organist den fantasievoll-freien Aufbau, der sich auch darin zeigt, dass eine allmähliche Beschleunigung vom Komponisten vorgeschrieben ist. Durch farbige Registrierung unterstrich Bornheimer die kontrastreiche Gestalt dieser Fugen. Die f-Moll-Orgelsonate op. 65,1 von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigt die Verbindung zu Bach weniger in der kontrapunktischen Arbeit als in der Einblendung des Chorals „Was mein Gott will, gescheh’ allzeit“ im ersten Satz. Christoph Bornheimer arbeitete nachdrücklich den Gegensatz von liedhaften und spielerischen Momenten heraus. Hinreißend die brillante Steigerung im Finalsatz.

Von tiefem Ernst erfüllt ist dagegen die as-Moll-Fuge des jungen Brahms, in der das ausdrucksvolle Fugenthema von seiner eigenen Umkehrung beantwortet wird – eine klingende Verbeugung vor Johann Sebastian Bach aus romantischem Geist, von Bornheimer mit Recht sehr verhalten gespielt. Als festlichen Trumpf zum Jahresende hatte der Organist das Meistersingervorspiel von Richard Wagner in einer eigenen Bearbeitung gewählt.

Auch wenn hier wieder einige unmotivierte Temposchwankungen etwas irritierten, so wurde doch vernehmlich, dass Wagner bei allem Pomp die feinere Kontrapunktik à la Bach sehr bewusst einsetzt, wenn es darum geht, die Schulweisheit der „Meister“ zu charakterisieren oder das Aufeinandertreffen von spießbürgerlicher und freiheitlicher Welt in kunstvoll aufgebauter Musik zu spiegeln. Auf die prächtige, sinfonisch aufbereitete C-Dur-Apotheose zum Ausklang dieses Konzerts folgte anhaltender Beifall in der gut besuchten Stadtkirche.

(Darmstädter Echo, 02. Januar 2015 | Klaus Trapp)