Die wissen, wovon sie singen: Von Liebe und Leidenschaft handelt die Musik, die das neu gegründete „Ensemble D’Accord“ bei seinem ersten Auftritt bringen will. Zwei Darmstädter Paare haben sich für das Quartett zusammengetan. Die Stimmen könnten manchem Zuhörer bekannt vorkommen.
 
DARMSTADT. Vier Sänger, vier Stimmen mit eigenem Charakter – daraus ein harmonisches Quartett zu machen, ist schon nicht ganz einfach, sagt Tenor Christian Roß. Vokalisten seien da noch heikler unter einen Hut zu bringen als, sagen wir, vier Saxofonisten. Da ist es hilfreich, „wenn man weiß, wie der andere atmet“. Roß und seine drei Mitstreiter im neu gegründeten „Ensemble D’Accord“ wissen das ziemlich gut: Das Quartett besteht aus zwei Paaren, die schon etwas länger zusammen sind – nicht nur musikalisch. Derzeit singen sie sich für ihren ersten Auftritt ein, Anfang März in der vorösterlichen Konzertreihe „Sechsklang“ in der Stadtkirche. Das jüngste Probenwochenende vor Ort lässt schon Harmonieverdacht aufkommen.
 

Huldigungsgesänge erfüllen den hohen Chorraum an diesem Nachmittag. Das „Ave verum“ des Shakespeare-Zeitgenossen William Byrd wird geprobt. In sanft wiegendem Rhythmus fließen die vier Stimmen ineinander, schön vom Kirchenhall getragen, bis sie beim letzten „Amen“ eine Punktlandung machen. Ja, die beiden Paare hätten sich seit letztem Herbst „schön zusammengesungen“, sagt Christian Roß, Kantor der Stadtkirche und nicht ganz nebenbei auch passabler Tenor. Dass es nach wenigen Proben so gut läuft bei „D’Accord“, dürfte auch an der Erfahrung der Sänger liegen – aber nicht nur.

Ehefrau Katharina Roß lässt ihren Alt in Kammermusik-Ensembles wie in Chören erklingen, Sopranistin Aki Hashimoto hat bis letzten Sommer als brillante Stimme im Darmstädter Opernensemble gewirkt; ihr Partner, der Bassist, Andreas Donner tritt als Solist wie als Chorsänger in Erscheinung. Gemeinsam, sagt der Tenor, wollen sie herausfinden, „wie harmonieren wir zusammen?“. Spürt man eine „gemeinsame Schwingung“, trifft nicht nur den richtigen Ton, das richtige Tempo, sondern findet auch eine gemeinsame künstlerische Linie?

Dass da zwei langjährige Paare zusammenkommen, macht die Suche nach Harmonie sicher einfacher – oder? Roß lächelt wissend. „Dass man sich per se gut versteht“, das sei schon eine Hilfe. Klar, dass auch mal kleine, liebevolle Spitzen unter Eheleuten ausgetauscht werden. Aber generell seien „alle reflektiert genug“, das Private und die Kunst zu trennen – und „drüber lachen zu können“, wenn sich die Sphären doch mal vermischen.

Dass sie beim ersten Auftritt am 7. März vor allem von Liebe und Leidenschaft singen, passt da auch ganz gut ins Konzept. Nicht nur um christliche Schwüre soll es im Programm gehen. „Passion“, sagt Roß, habe im Englischen ja vielfache Bedeutung.

So wollen die Vier neben Kirchenmusik der Renaissance auch weltliche Gesänge neueren Datums bringen. Vertonte Lorca-Gedichte, begleitet durch Gitarre, bilden den Gegenpol. Sehr spanisch wird das klingen, sehr glutvoll, rhythmisch raffiniert. Aber auch Lorca „spielt mit christlicher Mystik und religiösen Motiven“. Und wenn die Jungfrau Maria besungen wird, dann könnte zugleich ein geliebtes Wesen aus Fleisch und Blut gemeint sein.