Konzert – Lauten und Stimmen zum Auftakt der neuen Reihe „SechsKlang“ in der Darmstädter Stadtkirche

Zum Auftakt der Konzertreihe „SechsKlang“ in der Darmstädter Stadtkirche bot das Ensemble „Via florum“ mit Cornelia Winter (Sopran), Sebastian Hübner (Tenor) und Johannes Vogt (Laute) eine Abendmusik mit Stücken aus der Blütezeit der Laute sowie geistlichen Werken von Heinrich Schütz.
DARMSTADT.   Die Sopranistin Cornelia Winter, der Tenor Sebastian Hübner und der Lautenist Johannes Vogt zeigen ein sicheres Händchen bei der Programmauswahl ihres Konzerts in der Darmstädter Stadtkirche. Vier „Kleine geistliche Konzerte“ von Heinrich Schütz (1585–1672) umrahmen weltliche Lieder und Arien, die zu Claudio Monteverdi (1547–1643) nach Italien führen und in das elisabethanische Zeitalter Englands. Ort des Geschehens für Künstler und Publikum ist der Chor der Kirche, sodass gleich Atmosphäre entsteht und die Akustik stimmt.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Liebe in Versdichtungen durch den Abend. John Dowland (1563–1626), Henry Purcell (1659–1695) und Monteverdi reichen sich die Hand. Dazwischen beeindruckt Johannes Vogt mit virtuosen Lautenstücken aus „Jane Pickeringe’s Lute Book“ (um 1600) und einer Passacaglia in schwerem Sarabande-Rhythmus von Giovanni Kapsberger (1580–1651).

Samtweich sind Stimme und Aussprache Hübners in dem flehenden „Come again! Sweet love“ und dem schmerzvollen „Come, heavy sleep“ von Dowland, souverän von Vogt auf der Theorbe begleitet. Durch die Reduzierung des Basso-Continuo-Parts auf die Basslaute gewinnen die Liebeslieder an Intimität. Auch im berühmten „Fairest Isle“ aus „King Arthur“ von Henry Purcell, von Winter mit sauber intonierender, klarer Stimme vorgetragen, genügt die Laute und rückt Lieder und Opernarie vom Duktus her nah aneinander.

Ein besonderes Kleinod ist das Strophenlied „Geht, ihr meine Tränen“ des Schütz-Schülers David Pohle (1624–1695) auf Verse des Barockdichters Paul Fleming. Winter und Hübner setzen die mit rhetorischen Mitteln gespickte Komposition ausdrucksstark um, so dass man gerne noch mehr von diesem unbekannten Komponisten hören möchte.

Sehr beeindruckend ist die Wiedergabe der geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz, die dieser in Zeiten von Pest und Krieg für kleine Besetzungen schreiben musste. In „Eile mich, Gott, zu erretten“ gelingt es Winter, das voll innerer Spannung erfüllte Flehen auszudrücken. In „Habe Deine Lust an dem Herren“ zeigen die Sänger in einer Art Wortstreit mit imitierenden und rezitierenden Passagen, wie Schütz den in Venedig gelernten „Stile concertato“ mit seiner schlichten Gebetshaltung zu vereinen vermochte.

In den Zugaben singen die Künstler nach dem anspruchsvollen Programm in Purcells festlichem „Sound the trumpet“ und Monteverdis Liebesduett „Pur ti miro“ aus der „Poppea“ schließlich wie befreit auf.

(Darmstädter Echo, 02. März 2015 | von stei)