DARMSTADT. „If love is a sweet passion, why does it torment?“ Mehr als 300 Jahre ist es her, daß Henry Purcell diese Shakespeare-Verse in seiner Oper „The Fairy Queen“ in Melodien setzte. Und auch heute fragen wir uns noch, wie die Liebe den Menschen so quälen kann, obwohl sie doch eine süße Leidenschaft ist. Das neue Darmstädter Gesangsquartett „D’Accord“ mit Aki Hashimoto (Sopran), Katharina Roß (Alt), Christian Roß (Tenor) und Andreas Donner (Bass), das so viele Neugierige anlockte, dass viele Zuhörer statt im Chor im Mittelschiff der Stadtkirche Platz nehmen müssen, demonstriert mit einem lebendigen Vokalkonzert die Zeitlosigkeit dieser zwiespältigen Liebesgefühle.

Im ersten Teil wechseln sich Opernarien von Purcell mit Passionsmusiken und Anthems von Thomas Morley, William Byrd und Orlando Gibbons ab. Mutig wird Weltliches und Geistliches gemischt. Dass das eine vom anderen letztlich nicht scharf zu trennen ist und der Begriff „Passion“ Leidenschaft und Leid bedeuten kann, geht dem Hörer bei der warmherzigen, im Ausdruck sehr differenzierten Interpretation der Sänger schnell auf.

Die Künstler erzielen dabei stets die für ein Vokalquartett so wichtige Balance zwischen harmonischem Gesamtklang und Individualität der einzelnen Stimmen. Eigene Impulse gebend begleiten Antje Asendorf und Jorin Sandau virtuos mit Gitarre, Cembalo und Orgelpositiv.

Hashimoto, den Darmstädtern noch gut bekannt als Mitglied des hiesigen Opernensembles, berührt mit äußerst zartem Timbre. Bei Einsätzen in der Höhe scheint ihre Sopranstimme aus dem Nichts zu kommen. Allen vier Sängern gelingt es mit fein dosiertem Vibrato und natürlichem Stimmklang, auch in den Passionswerken („Ave verum“ von Byrd, „Nolo, mortem peccatoris“ von Morley) die Liebe sprechen zu lassen.

Feurige Balladen mit ironischen Tönen

Doch der Kantor der Stadtkirche Christian Roß und seine Mitstreiter können auch anders. Das schwarze Outfit mit roten Accessoires aufgepeppt, begeistern sie nach der Pause mit sieben feurigen Balladen aus den „Romancero Gitano“ von Mario Castelnuovo-Tedesco nach dem Gedichtzyklus von Federico Lorca für gemischten Chor und Gitarre. In den andalusischen Legenden über Liebe, Rache und Tod beherrschen die Künstler die gesamte Palette an Ausdrucksmitteln, um Pathos und Ironie, Folklore und Mystik kammermusikalisch transparent nachzumalen.