Einen zweiteiligen Bachzyklus enthält die diesjährige „Sechsklang“-Reihe in der Darmstädter Stadtkirche. Der Kammerchor der Darmstädter Kantorei hat sich mit den sechs Motetten für unbegleiteten Chor viel vorgenommen. Dazu erklingen Sonaten für Violine und Cembalo des von Johann Sebastian Bach.
 

DARMSTADT. Sie gehören mit zum Schwersten, was barocke Chormusik zu bieten hat: Die sechs Motetten, die Bach in den zwanziger und dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts anlässlich von Trauerfeiern komponierte. Scheinbar endlose Koloraturen, Fugen, Choräle, überraschende harmonische Wendungen, rhythmische Vertracktheiten und Mehr-Chörigkeit erfordern intensives Hören aufeinander und einen Dirigenten, der das Ganze zusammenhält. Man kann es sich leichter machen und die Motette von Instrumenten begleiten lassen, oder – und so hielt es mit gutem Grund der Kammerchor der Darmstädter Kantorei bei dem ersten Konzert des Zyklus' am Samstag – man vertraut auf Können und Qualität der Sänger.

27 ausgewählte Stimmen verteilten sich auf zwei Chöre, eine feine Größe für diese Werke. Stadtkirchenkantor Christian Roß ging die drei Motetten „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“, „Fürchte dich nicht“ und „Singet dem Herrn ein neues Lied“ im Dirigat sichtbar und in der Umsetzung des Chores hörbar schwingend an. Schön antworteten sich die beiden Chöre gegenseitig und warfen sich spielerisch die Passagen zu. Dabei kam dem Sopran meistens die Hauptrolle zu, der einen klangschönen Bogen über die übrigen Stimmen warf. Da jedoch in der Komposition eigentlich alle Stimmen gleichberechtigt sind, hätte man sich hier manchmal eine deutlichere Hervorhebung auch der unteren Stimmen gewünscht. Dies vor allem, da alle Sänger die Motetten mit glasklarer Intonation versahen und sich absolut sicher in den Schleuderpartien der schwierigen Koloraturen bewegten. Roß legt hier Wert auf eine klare Trennung der Töne, Klangbrei ist keine Option.

Zackige Motive mit Witz

Zwischen den drei Motetten hatte Roß zwei Sonaten für Violine und Cembalo programmiert, die er selbst am Cembalo gestaltete. Für den Violinpart hatte man Monika Nussbächer gewonnen, die eine Nürnberger Violine aus dem Jahr 1735 mit einem wunderbar klaren Ton spielt. Zauberhaft verbanden sich die beiden Instrumente, so dass der Klang sich vor allem im zweiten Satz der h-Moll-Sonate, BWV 1014, fast von den Musikern abzuheben und zu verselbstständigen schien. Nussbächer weiß langen Tönen Leben einzuhauchen, spielt die Zweistimmigkeit in der Sonate A-Dur, BWV 1015, transparent aus und bringt Witz in die zackigen Motive des zweiten Satzes der A-Dur-Sonate.

Unterdessen entlockt Roß dem Cembalo orchesterfarbiges Rauschen und lässt die silbrigen Funken sprühen. Die Zuhörer zeigten sich mit lang anhaltendem Applaus beeindruckt von der Leistung des Chores und der Solisten.