DARMSTADT. Mit improvisierten "Pfingstklängen" beendete Christian Roß sein Orgelkonzert an Fronleichnam, das im Rahmen der Darmstädter Pfingstmusiktage 2008 in der Stadtkirche gegeben wurde. Roß entfaltete dabei eine spannende Orgelsinfonie, in der er das Pfingstwunder mit der Ausgießung des Heiligen Geistes bildhaft zur Darstellung brachte. Da war in aufschießenden Tonskalen das "Brausen des Geistes" zu vernehmen, eine stille Meditation schilderte das "leise Wehen", mit rasch wechselnden Klangfarben und Rhythmen wurde die "Furcht der Jünger" nachgebildet, und die abschließende virtuose Toccata zeichnete die Erfüllung durch den Heiligen Geist nach.

Es gelang Christian Roß, mit modernen klanglichen Mitteln auf konzentrierte Weise äußere Vorgänge und innere Bewegung in Einklang zu bringen, wobei diese Improvisation zugleich als Hommage an Olivier Messiaen gedacht war. Von diesem
Komponisten hatte Roß zuvor zwei Sätze aus dem Orgelwerk "L'Ascension" gespielt, in dem Messiaen sich meditativ mit der Himmelfahrt Christi auseinander setzte. Der Organist beeindruckte durch die Ruhe und den langen Atem, mit denen er die weit gespannte Melodik und die allmählichen Akkordveränderungen zum Klingen brachte - eine Musik, die ganz auf innere Versenkung gerichtet ist.

Ganz anders Max Reger, der in der selten zu hörenden cis-Moll-Rhapsodie op. 65 Nr. 1 kraftvolle Kontraste aufbaut. Da begegnen sich chromatische Linien, dissonante Akkorde und lyrische Einschübe. Doch in der geschickt registrierten und intensiv gestalteten Wiedergabe schlossen sich diese Elemente zu einem überzeugenden Ganzen zusammen.

Roß hatte zu Beginn des Orgelabends Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 gespielt, eine zugleich virtuose und ausdrucksstarke Werkfolge. Der Organist glänzte in der Toccata durch blitzsauberes Laufwerk und das leichtfüßig bewältigte große Pedalsolo. Im Adagio hob er die verzierte Melodie zart her vor, fast wie die Solostimme eines Violinkonzerts. Und die rasch tänzelnde Fuge im Sechsachteltakt wirkte in der durchsichtigen Darstellung wie ein gelöster Kehraus mit einem Schluss, der ganz bescheiden in der Tiefe verschwand.

Die Pfingstmusiktage werden am Samstag (24.) fortgesetzt mit einer Orgelwanderung, Beginn um 19 Uhr an der Johanneskirche. Vorgestellt werden im Stundentakt die Orgeln der Johanneskirche, Stadtkirche, der Kirche St. Ludwig und der Pauluskirche.

(Darmstädter Echo, tp 24.5.2008)