DARMSTADT. Nur mit Kamera und Monitor war Kantor Christian Ross, der die vorm Altar der Stadtkirche postierte Darmstädter Kantorei leitete, mit der Organistin Misty Renée Schaffert verbunden, die oben an der großen Orgel saß. Doch es gelang so enge Kommunikation, dass die Aufführung der Messe in D-Dur op. 86 von Dvorák im Rahmen der Pfingstmusiktage spannend und bewegend verlief, gesteigert durch die den Raum überbrückenden Klänge.

Die Kantorei wurde durch die behutsamen und sicheren Dirigiergesten des Chorleiters zu einer klaren, dynamisch ausgewogenen Darstellung der sechs Messesätze inspiriert. Man gestaltete die romantischen Harmonien wie die nach alter Sitte kontrapunktisch gearbeiteten Abschnitte sauber und durchsichtig, so dass der enge Bezug von Wort und Ton spürbar war. Ein wenig zaghaft wirkten die ersten Einwürfe des kleinen Vokalensembles, das in dieser Messe dem großen Chor gegenübergestellt ist. Doch nach kurzer Zeit gewannen auch die Einzelstimmen an Präsenz und Klangqualität. Die Organistin steuerte ihren Part mit einer genau dosierten Registrierung bei, so dass Begleit- und Führungsaufgaben überzeugend unterschieden waren. Trotz des schlichten, volkstümlichen Grundtons dieser Messe wurde glaubhaft, dass der Komponist hier nach eigenem Bekunden "Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott" ausdrücken wollte und dass er die "Ehre unserer Kunst" im Sinn hatte.

Als Intermezzo spielte Misty Renée Schaffert gewandt und farbig ein Gospel-Prelude über "Amazing Grace" von William Bolcom, ein etwas weitläufiges Orgelstück, das mit Jazz-Anklängen aufwartet und in ein Zitat des bekannten amerikanischen Volksliedes mündet. Dieser moderne Instrumentalbeitrag wirkte wie eine Hinführung zu den Chichester-Psalms, die Leonard Bernstein 1965 für ein Musikfestival in der südenglischen Stadt geschrieben hat. Zu den Mitwirkenden gesellten sich nun der kurzfristig eingesprungene Harfenist Christoph Bielefeld, der Schlagzeuger Frank Behle und der Countertenor Oliver May. Und auch wenn diese Psalmvertonungen mit vertrackten Taktarten wie Siebenviertel und Zehnviertel aufwarten und manche harmonische Überraschung aufbieten, so glückte doch eine fast nahtlose Verzahnung aller Mitwirkenden. Die Kantorei bewältigte scheinbar mühelos die ausdrucksstarken, in hebräischer Sprache gesungenen Vokalpartien der drei Sätze. Im zweiten Teil verlieh Oliver May dem Solopart, der eigentlich einem Knabenalt zugedacht ist, lyrisch-innigen Charakter. Besonders anrührend klang die zarte Friedensvision, mit der das Werk, den 133. Psalm zitierend, endet: "Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!"

Die nächste Veranstaltung der Pfingstmusiktage ist ein Orgelkonzert mit Christian Ross in der Stadtkirche Darmstadt am Donnerstag (22.) um 20 Uhr.

(Darmstädter Echo, Klaus Trapp, 20.05.2008)