Vokalmusik – Starkes Debüt für das neue Quartett „D’Accord“ in der Stadtkirche

Frischer Wind wehte beim ersten Konzert des neu gegründeten Vokalensembles „D’Accord“ in der Stadtkirche. Die vier Darmstädter Sängerinnen und Sänger, privat zwei Paare, sangen effektvoll von Leid und Leidenschaft – kunstvoll begleitet von Cembalo, Orgel und Gitarre.

Konzert – Lauten und Stimmen zum Auftakt der neuen Reihe „SechsKlang“ in der Darmstädter Stadtkirche

Zum Auftakt der Konzertreihe „SechsKlang“ in der Darmstädter Stadtkirche bot das Ensemble „Via florum“ mit Cornelia Winter (Sopran), Sebastian Hübner (Tenor) und Johannes Vogt (Laute) eine Abendmusik mit Stücken aus der Blütezeit der Laute sowie geistlichen Werken von Heinrich Schütz.
DARMSTADT.   Die Sopranistin Cornelia Winter, der Tenor Sebastian Hübner und der Lautenist Johannes Vogt zeigen ein sicheres Händchen bei der Programmauswahl ihres Konzerts in der Darmstädter Stadtkirche. Vier „Kleine geistliche Konzerte“ von Heinrich Schütz (1585–1672) umrahmen weltliche Lieder und Arien, die zu Claudio Monteverdi (1547–1643) nach Italien führen und in das elisabethanische Zeitalter Englands. Ort des Geschehens für Künstler und Publikum ist der Chor der Kirche, sodass gleich Atmosphäre entsteht und die Akustik stimmt.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Liebe in Versdichtungen durch den Abend. John Dowland (1563–1626), Henry Purcell (1659–1695) und Monteverdi reichen sich die Hand. Dazwischen beeindruckt Johannes Vogt mit virtuosen Lautenstücken aus „Jane Pickeringe’s Lute Book“ (um 1600) und einer Passacaglia in schwerem Sarabande-Rhythmus von Giovanni Kapsberger (1580–1651).

Samtweich sind Stimme und Aussprache Hübners in dem flehenden „Come again! Sweet love“ und dem schmerzvollen „Come, heavy sleep“ von Dowland, souverän von Vogt auf der Theorbe begleitet. Durch die Reduzierung des Basso-Continuo-Parts auf die Basslaute gewinnen die Liebeslieder an Intimität. Auch im berühmten „Fairest Isle“ aus „King Arthur“ von Henry Purcell, von Winter mit sauber intonierender, klarer Stimme vorgetragen, genügt die Laute und rückt Lieder und Opernarie vom Duktus her nah aneinander.

Ein besonderes Kleinod ist das Strophenlied „Geht, ihr meine Tränen“ des Schütz-Schülers David Pohle (1624–1695) auf Verse des Barockdichters Paul Fleming. Winter und Hübner setzen die mit rhetorischen Mitteln gespickte Komposition ausdrucksstark um, so dass man gerne noch mehr von diesem unbekannten Komponisten hören möchte.

Sehr beeindruckend ist die Wiedergabe der geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz, die dieser in Zeiten von Pest und Krieg für kleine Besetzungen schreiben musste. In „Eile mich, Gott, zu erretten“ gelingt es Winter, das voll innerer Spannung erfüllte Flehen auszudrücken. In „Habe Deine Lust an dem Herren“ zeigen die Sänger in einer Art Wortstreit mit imitierenden und rezitierenden Passagen, wie Schütz den in Venedig gelernten „Stile concertato“ mit seiner schlichten Gebetshaltung zu vereinen vermochte.

In den Zugaben singen die Künstler nach dem anspruchsvollen Programm in Purcells festlichem „Sound the trumpet“ und Monteverdis Liebesduett „Pur ti miro“ aus der „Poppea“ schließlich wie befreit auf.

(Darmstädter Echo, 02. März 2015 | von stei)

Gesang - Ein neues Vokal-Ensemble in Darmstadt singt von Liebe und Leidenschaft - Erstes Konzert am 7. März

Nachwuchs – Die erste Bläserklasse der Darmstädter Kantorei macht Schule: Zweiter Kurs startet Anfang März

 

Kinder an die Posaunen, und Saxofone, und Querflöten: In der Bläserklasse der Darmstädter Kantorei lernen schon Neunjährige, kniffligen Blasinstrumenten satte Töne zu entlocken – von Anfang an im Ensemble. Nach dem Erfolg der ersten Gruppe soll im März die nächste starten.

 

DARMSTADT. Die werden’s noch weit bringen, diese Kadetten. In sattem, fetten Bläsersound kommen sie daher, posaunentief bis klarinettenklar. Dabei sind sie an diesem Abend nur zu viert, die Schüler der Bläserklasse, die vor einem knappen Jahr an der Singschule der Darmstädter Kantorei gegründet wurde. Erkältungswelle! Saxofon und Querflöte hat’s schwer erwischt. Aber auch in der kleinen Quartett-Besetzung marschiert „Cadets on Parade“ prima, ein feierlicher US-Marsch, zurzeit die Paradenummer der Klasse. Der Sound könnte bald noch voller klingen: Eine zweite Klasse soll ab Anfang März die Grundlagen von Holz- und Blechgebläse lernen – und in nicht allzu ferner Zukunft könnte ein größeres Ensemble draus werden, Auftritte nicht ausgeschlossen.

Kinder an die Posaunen und Saxofone? Das wirkt immer noch etwas ungewöhnlich. Ursula Tilsner, gelernte Hornistin und Musiklehrerin aus Griesheim, hat damit aber schon jahrzehntelange Erfahrung. Die Marching Bands der US-Populärkultur waren das Vorbild, auf das sie vor gut 20 Jahren bei einem Seminar aufmerksam wurde, erzählt sie beim Gespräch vor der Probe, oben im freundlich hellen Gemeindezentrum der Stadtkirche. Die Idee begeisterte sie: „Jeder soll seine eigene Stimme finden, aber im gemeinsamen Spiel auch musikalisches Verständnis füreinander entwickeln.“ Also kein Einzelunterricht, sondern gleich zusammen losblasen, möglichst locker und unverkrampft – aber mit genügend Puste, um durchzuhalten. Doch, die hätten auch Neunjährige schon, sagt Tilsner.

Ausreichend Puste haben sie schon bewiesen

Die Idee habe sich jedenfalls durchgesetzt. An der Griesheimer Gerhardt-Hauptmann-Schule, wo sie unterrichtet, „waren wir damals die ersten in Südhessen“. Inzwischen lehren viele Schulen nach diesem Prinzip. In der Singschule der Kantorei sind die jungen Bläser noch ein Novum. Aber auch sie machen jetzt Schule. Ausreichend Puste haben sie im ersten Jahr bewiesen.

Mit sicherem Griff schiebt Posaunist Tobias, 11 Jahre jung, beim Spielen den bügelförmigen Zug seines Instruments in die richtigen Positionen, hält die Lippen schön auf Spannung, den Blick fest auf sein Notenblatt mit dem Kadettenmarsch gerichtet. Eine ganz hübsche Koordinationsleistung für einen Anfänger, oder? „Nee, gar nicht so schwierig“, sagt der coole Blondschopf, „da gewöhnt man sich dran.“ Ziemlich souverän wirkt auch schon Silvan, der Klarinettist, ebenfalls elf Jahre alt. Während Tobias erst in der Bläserklasse zur Posaune fand – in den ersten sechs Wochen werden alle Instrumente ausprobiert – , kam er schon mit klaren Vorstellungen zur Kantorei. Den Klang der Klarinette empfindet er als „schön voll und rund“, sagt er.

Beim Klezmer-Konzert hat es Silvan erwischt

Live erlebt hat er diesen Sound bei einem Adventskonzert in der Stadtkirche. Irith Gabriely, die „Queen of Klezmer“, hat ihn dort mit ihrer munter-virtuosen Klarinettenkunst verzaubert. Nein, einfach zu spielen sei das Instrument nicht, das habe er schon gemerkt, sagt Silvan. Am Anfang „hat es ziemlich gequietscht“. Das muss so sein, sagt Lehrerin Tilsner. Silvan hielt durch, und der Quietsch-Faktor, das hört man bei der Probe, hat sich inzwischen deutlich gesenkt.

Öffentlich aufgetreten ist die Bläserklasse noch nicht. Aber beharrlich, Ton für Ton kommen die Kadetten voran. Immerhin: Als die ersten fünf Töne saßen, kurz vor den Sommerferien, gab’s ein erstes Vorspiel vor den Eltern.

Vor ein paar Wochen spielten sie dann erstmals gemeinsam eine ganze Tonleiter, unisono. Inzwischen trauen sie sich an mehrstimmige Stücke heran und kleine Solopassagen. Man ahnt: Die haben noch genug Puste für lange Märsche.

 

Konzert – Christoph Bornheimer zu Gast an der Orgel der Darmstädter Stadtkirche

Das traditionelle Orgelkonzert zum Jahresabschluss in der Stadtkirche bestritt diesmal der in Darmstadt geborene Organist Christoph Bornheimer. Er setzte eines der großen Orgelwerke Bachs, Präludium und Fuge e-Moll BWV 548, mit Kompositionen aus der Romantik in Beziehung.

DARMSTADT. Weit in die Zukunft weist Johann Sebastian Bach mit seinem aus den letzten Leipziger Jahren stammenden Orgelwerk Präludium und Fuge e-Moll. Von Chromatik durchtränkt ist vor allem die Fuge mit ihrem sich originell spreizenden Thema, und genau hier liegt der Ansatz für viele romantische Meister, wenn sie sich auf die Suche nach kontrapunktischen und harmonischen Kühnheiten begeben.

Dies machte der junge Organist Christoph Bornheimer in seinem klug aufgebauten Silvester-Programm deutlich, wenn er Werke von Schumann, Mendelssohn, Brahms und Wagner auf Bach folgen ließ. Bornheimer, der zunächst in Darmstadt bei Wolfgang Kleber, Oliver Kolb und Cord Meijering Unterricht bekam, bevor er in Heidelberg Kirchenmusik studierte, hat die Gabe, Musik bei technisch tadelloser Wiedergabe gleichsam zu durchleuchten und auch komplizierte Vorgänge verständlich zu machen. Dies bewies er eingangs mit der zugleich kompakten und virtuosen Deutung des Doppel-Werks von Bach, auch wenn ihn seine Spielbegabung manchmal zu ungewohnten Tempoverschärfungen hinriss.

Robert Schumann nahm für seine sechs Fugen op. 60 den Namen B-A-C-H als Thema, womit Chromatik als Ausgangspunkt bereits programmiert ist. In den beiden ersten Stücken dieser Serie betonte der Organist den fantasievoll-freien Aufbau, der sich auch darin zeigt, dass eine allmähliche Beschleunigung vom Komponisten vorgeschrieben ist. Durch farbige Registrierung unterstrich Bornheimer die kontrastreiche Gestalt dieser Fugen. Die f-Moll-Orgelsonate op. 65,1 von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigt die Verbindung zu Bach weniger in der kontrapunktischen Arbeit als in der Einblendung des Chorals „Was mein Gott will, gescheh’ allzeit“ im ersten Satz. Christoph Bornheimer arbeitete nachdrücklich den Gegensatz von liedhaften und spielerischen Momenten heraus. Hinreißend die brillante Steigerung im Finalsatz.

Von tiefem Ernst erfüllt ist dagegen die as-Moll-Fuge des jungen Brahms, in der das ausdrucksvolle Fugenthema von seiner eigenen Umkehrung beantwortet wird – eine klingende Verbeugung vor Johann Sebastian Bach aus romantischem Geist, von Bornheimer mit Recht sehr verhalten gespielt. Als festlichen Trumpf zum Jahresende hatte der Organist das Meistersingervorspiel von Richard Wagner in einer eigenen Bearbeitung gewählt.

Auch wenn hier wieder einige unmotivierte Temposchwankungen etwas irritierten, so wurde doch vernehmlich, dass Wagner bei allem Pomp die feinere Kontrapunktik à la Bach sehr bewusst einsetzt, wenn es darum geht, die Schulweisheit der „Meister“ zu charakterisieren oder das Aufeinandertreffen von spießbürgerlicher und freiheitlicher Welt in kunstvoll aufgebauter Musik zu spiegeln. Auf die prächtige, sinfonisch aufbereitete C-Dur-Apotheose zum Ausklang dieses Konzerts folgte anhaltender Beifall in der gut besuchten Stadtkirche.

(Darmstädter Echo, 02. Januar 2015 | Klaus Trapp)

Rossini-Messe – Neue Reihe in Stadtkirche: Darmstädter Kantorei startet in den Advent

Sakraler Swing und italienischer Belcanto-Gesang: Mit Rossinis „Petite Messe Solennelle“ eröffnete die Darmstädter Kantorei unter der Leitung von Christian Roß am Samstag die Reihe „Cantate“ in der Stadtkirche.

 

DARMSTADT. Als seine „letzte altersbedingte Todsünde“ bezeichnete Rossini seine „Petite Messe Solennelle“. Das autografe Manuskript der 1863 entstandenen Messe enthält eine ironische Widmung an „den lieben Gott“: „Hier ist sie vollendet, diese ärmliche kleine Messe. Habe ich nun heilige Musik geschrieben oder vermaledeite Musik? Ich wurde geboren, um komische Opern zu schreiben, du weißt es nur zu gut. Nicht viel Wissenschaft, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei gesegnet und gewähr mir einen Platz im Paradies.“ Unter der Leitung von Christian Roß wurde das Werk am Samstag von der Darmstädter Kantorei in der voll besetzten Stadtkirche zur Aufführung gebracht.

Nichts Gravitätisches haftet der Messe an, die statt sakralem Pathos Musizierlust und pure Lebensfreude ausstrahlt. Dennoch schwingt in jeder Note eine tief beseelte, dem Leben positiv gegenüberstehende Religiosität.

Die schlank geführte, klar fokussierte Stimmgebung des Chores, der das Kyrie intonationsrein aufleuchten ließ, harmonierte perfekt mit der beschwingten Leichtigkeit der Musik. Die eindringliche Diktion und der flexible, warme Stimmklang verlieh dem Kyrie eine besondere Intensität.

Statt sich zu vokalen Kraftausbrüchen hinreißen zu lassen, setzte der Chor seine stimmlichen Mittel in feiner Dosierung ein. Den glasklaren hohen Sopraneinsätzen im „Gloria“ folgten die anderen Stimmen nicht weniger ausdrucksvoll nach und verschränkten sich zu einem ebenso strahlkräftigen wie homogenen Klangkörper.

Begleitet wurde die Messe von Misty Schaffert am Flügel und Burkhard Engelke am Harmonium. Während der mit ungewöhnlichen rhythmischen Finessen gespickte Klavierpart die Messe mit lebendiger Agilität durchpulste, tauchte das Harmonium die vitalen Klänge in die Aura des Sakralen.

Spritzige Tempi und ein Höchstmaß an Swing

Die mitreißenden, spritzigen Tempi, die Christian Roß vorgab, entlockten der Messe ein Höchstmaß an Swing, ließen den ernsten und dramatisch aufgeheizten Moment aber dennoch genügend Raum, um klangmächtig zu Entfaltung zu kommen.

Eine glückliche Hand bewies der Kantor auch bei der Wahl der Solisten, deren Stimmen sich in den Soloensembles überzeugend mischten und sich nahtlos in das Klangideal des Chores einfügten.

Aus dem Solistenquartett stach vor allem die Sopranistin Aki Hashimoto hervor, ansonsten auch im Opernensemble des Staatstheaters Darmstadt zu hören. Wahrhaft im Sinne des Belcanto gestaltete sie das berührende „Cruzifixus“ wie das „Salutaris“ durch alle Lagen hindurch ausgeglichen, auf leuchtenden, weit gespannten Bögen aus.

Während Gesangssolist Daniel Sans im opernhaft auftrumpfenden „Domine Deus“ für tenorale Strahlkraft sorgte, setzte Bariton Timothy Sharp im „Quoniam“ markante dunkeltimbrierte Akzente. Eines der Glanzstücke der Aufführung war das Duett zwischen Sopran und Alt, die im „Qui tollis“ mit flammender Intensität miteinander verschmolzen.

Einen wirkungsvollen Schlusspunkt setzte die Altistin Katharina Roß mit dem dramatisch aufgeladenen „Agnus Dei“, das sich im Wechselgesang mit dem Chor mit intensivem Stimmklang auskostete.

(Darmstädter Echo, 01. Dezember 2014 | Silvia Adler)

MUSICAL – Das Jugendmusical „Lachflash“ wird heute in der Stadtkirche uraufgeführt – Vorstellungen bis Sonntag

Nichts zu lachen haben die Menschen in der Zukunft – das soll sich bald ändern: Jugendliche der Singschule der Darmstädter Kantorei proben ihr neues Musical „Lachflash“, das ab heute frei Tage lang in der Stadtkirche gespielt wird. Kantor Christian Roß hat es komponiert, rund dreißig Kinder und Jugendliche aus der Singschule der Darmstädter Stadtkirche bringen es zur Aufführung: „Lachflash“ heißt das Jugendmusical, das die jungen Sänger zum Heinerfest bringen. Ab heute bis Sonntag ist das spaßige Stück täglich zu erleben.

DARMSTADT.  Eine Zeitreise durch die Geschichte des Lachens, das könnte am heutigen Freitag lustiger werden als das Spiel Frankreich-Deutschland. Während man beim Fußball nicht immer ein tolles Spiel erwarten darf, verspricht der Nachmittag in der Stadtkirche Darmstadt ein kleines Highlight zu werden. Die Jugendlichen zwischen zehn und fünfzehn Jahren – alle gehören zur Singschule der Darmstädter Kantorei – machten bei der Generalprobe am Mittwoch ihre Sache jedenfalls hervorragend. Musikalisch unterstützt von einem Streichquartett mit Flötistin sowie dem Kantor Christian Roß am Klavier und elektrischer Orgel und einigen erwachsenen Solisten, meisterten sie ihre Gesangspartien bestens.

Die Singschüler reden beim Thema mit

Auf die Frage, wie ihnen das Musical gefalle, antwortet Jule: „Voll cool!“. Ihre Freundinnen pflichten ihr beim Einkleiden vor der Probe unisono bei. Kein Wunder, dass ihnen „Lachflash“ gefällt. Singschul-Leiter Christian Roß hat es ja nicht über die Köpfe der Mädchen und Jungen hinweg geschrieben. Die jungen Talente haben bei der Geschichte mitbestimmt.

Auf das Thema Lachen sind sie gekommen, weil sie selbst (auch während der Proben) immer wieder so viel gelacht und gekichert haben, „dass es auch manchmal nervte“, erzählen Louisa und Sofia, dreizehn und zwölf Jahre alt, freimütig. Die Lieder, die ihr Chorleiter dann geschrieben hat, gefallen ihnen richtig gut. Das Liebeslied „Mit Dir an meiner Seite“ etwa, oder „In die Ferne“.

Beides wird im Stück angesprochen: das Miteinander und der Blick über den eigenen Horizont hinaus. In diesem Fall führt die Suche nach dem Sinn oder Unsinn des Lachens in die Vergangenheit. Die Jetztzeit auf der Bühne liegt in der Zukunft: Die menschlichen Kulturen sind untergegangen und die Gesellschaft der Zukunftswesen hält nichts von ungezügelten Emotionen.

Mit Vollkommenheitsübungen und perfektem Zeitmanagement versuchen die Herrschenden gegen jeden Kontrollverlust anzukämpfen. Als sich eine kleine Gruppe gegen die Effektivitäts-Parolen wehrt und beginnt, für eigenständiges Denken und Gefühle einzustehen, erwärmen sich nach und nach auch die anderen für diese kühne Idee.

Kampf den lustlosen Perfektionisten

Mit Hilfe neuester Techniken, unter Einsatz von Google und einer Art Laptop beamen sie sich bis ins Mittelalter hinein, begegnen einem Franziskaner-Mönch, Persönlichkeiten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Martin Luther, fiktiven Figuren wie Timm Thaler, der sein Lachen verkaufte, und vielen anderen. Da lernen die Kinder der Zukunft, dass nach Aristoteles das Lachen von den Göttern kommt.

Bettina Geyer führt Regie bei diesem Musical. Sprech- und Gesangspartien wechseln sich ab, manche der jungen Sängerinnen und Sänger haben ein kleines Solo. Die Kinder gruppieren sich unterschiedlich auf der Bühne, so dass es nie langweilig wird – auch, weil die Darsteller ihre Rollen mit Ausdruck füllen.

Vortrefflich setzt der Chor die Musik von Christian Roß um, die mit vielen stimmungsvollen Klangbildern vielfältig in die Musikgeschichte eintaucht. Barocke Choral-Fragmente oder Mozarts „Papageno“-Arie werden an passender Stelle motivisch eingebaut. Im Augenblick der Teleportation wird die Komposition zeitgenössisch dissonant.

„Es ist schön zu sehen, wie sich alles zusammenfügt und jeder einzelne und die Gruppe über sich hinauswachsen“, sagt Christian Roß, der das Musical in seiner Freizeit komponierte und mit den Texten angenehm die Sprache der jungen Chormitglieder trifft. Auch Bettina Geyer bezog die Jugendlichen bei der szenischen Erarbeitung stets mit ein: „Gerade deshalb entsteht am Ende eine ganz eigene Dynamik und Energie.“

(Darmstädter Echo, 04. Juli 2014 | Bettina Bergstedt)

Konzert - Philharmonie Merck und Chöre mit der "Auferstehungssinfonie" in Darmstadt

Eine beeindruckende Interpretation von Gustav Mahlers 2. Sinfonie boten am Sonntag die Philharmonie Merck und die Chöre von Frankfurter Kantorei und Darmstädter Kantorei im Darmstädter Staatstheater. Die „Auferstehungssinfonie“ führte die Zuhörer durch alle Gefühle zwischen Himmel und Erde.
DARMSTADT. Gustav Mahler war in den Anweisungen in seinen Partituren sehr fürsorglich: „Nehmen wieder ihren Platz im Orchester ein, doch mit Bedacht darauf, nicht durch Geräusch den ’a cappella’ Gesang zu stören.“ Derart wandte er sich an die Blechbläser des Fernorchesters, die ihren Platz auf der Bühne zeitweilig verlassen müssen, um, wie es am Sonntag im Staatstheater gehalten wurde, von hinter der Bühne größere Raumwirkung zu entfalten. Dieser Moment, in dem der Chor seinen ersten Einsatz hat, ist eine Herausforderung: Eineinviertel Stunden dürfen die Sänger keinen Ton von sich geben, um dann ohne Begleitung die Worte zu singen, die der 2. Sinfonie ihren Namen gegeben haben: „Aufersteh’n, ja aufersteh’n“.

Bis dahin hatte Dirigent Wolfgang Heinzel die Merck-Philharmonie und die Zuhörer durch Himmel und Hölle, Idylle und Wahn, Leben und Tod geführt. Mahler wollte alles mit dieser Sinfonie: eine weit gespannte Thematik, Durchmischung musikalischer Formen wie klassischer Sinfonie und Lied, Totenmarsch und Ländler, Harmonie und Dissonanz. Schon an der Orchesterbesetzung lässt sich das Streben nach Größe ablesen. Und so entfuhr es auch einer Zuhörerin im Publikum, als sich der Vorhang öffnete und den Blick auf Riesenorchester und etwa 150 Sänger freigab: „Oh mein Gott!“

Heinzel leitet das Orchester mit Sicherheit und vor allem musikalischem Gespür. Wunderbar lenkt er die Musiker auf die vielen Höhepunkte in der Musik hin, um diese dann gleich wieder in fließender Dynamik zurückzunehmen. Immer ist ein konsequenter Zug zu fühlen, der die Teile des Werks zusammenhält. Ob Apokalypse mit wuchtigen Trommelwirbeln, feine Ironie im dritten Satz mit der Nachbildung von Fischschwärmen und taumelndem Weltgetriebe, Anklänge an kirchliche Bläser-Choräle oder harmloser Dreiertakt im zweiten Satz: Das Orchester bleibt transparent und konzentriert im Geschehen. Schön arbeiten Stimmen ihre Soli heraus, besonders Soloflöte und Solovioline stechen hervor.

Bei diesen Chören passt alles zusammen

Und dann der Choreinsatz. Die Chöre von Frankfurter Kantorei (künstlerische Leitung: Winfried Toll) und Darmstädter Kantorei (Christian Roß) meistern den Einstieg fabelhaft, als das Orchester wieder einstimmt, passt die Intonation genau. Klangstark setzt sich der Chorsopran über das Orchester. Die Solistinnen Susanne Serfling (Sopran) vom Darmstädter Staatstheater und Stefanie Schaefer (Mezzosopran) vom Staatstheater Karlsruhe haben nicht so sehr viel zu tun, aber erledigen dies mit wunderbar natürlicher Stimme (Schaefer) und schön durchklingendem Sopran (Serfling). Anrührend gestaltet Schaefer ihren Gesang aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, tragend bringt Serfling ihren klaren Sopran zu Gehör.

(Darmstädter Echo, 06. Mai 2014, Susanne Döring)

Vokalmusik - Das Calmus-Ensemble glänzt in Darmstadt mit perfekter Harmonie

Leipzig ist die Wiege vieler ausgezeichneter Vokalensembles, die sich meist aus ehemaligen Thomanern rekrutieren - so auch das Calmus-Ensemble, das auf eine eindrucksvolle Karriere verweisen kann. Zu Recht, wie man in dem Konzert am Freitagabend in der Stadtkirche erleben konnte.

DARMSTADT.  Das Calmus-Ensemble, das am Freitagabend in der Darmstädter Stadtkirche mit Kompositionen von alten und jungen Leipziger Meistern zu Gast war, konkurriert um einen Spitzenplatz unter den deutschen Vokal-Ensembles. War im März zum Auftakt der „SechsKlang"-Konzertreihe der Tenor leider erkrankt, zeigte sich das Ensemble an diesem Abend von überragender stimmlicher Präsenz und begeisterte das große Publikum. Schwerpunkt des ersten Teils war die geistliche Musik - allen voran Kompositionen der Familie Bach, aber auch Vertonungen von Heinrich Schütz, Johann Schelle und Hugo Distler, die als Thomaskantoren oder Studenten in Leipzig tätig waren.

Sehr einfühlsam und mit großer Textverständlichkeit trug das Ensemble, das aus vier Männerstimmen (Countertenor, Tenor, Bariton, Bass) und einer Sopranistin besteht, die Arien und geistlichen Lieder vor. Die innige Bitte nach Frieden, von Schütz eindringlich in Töne gesetzt, war fast körperlich spürbar, so sehr schoben sich die Stimmen in engen Reibungen übereinander und entwickelten einen breiten Klang, der den Kirchenraum eindrucksvoll füllte. Die vertrackten Harmonien eines Hugo Distler meisterten die fünf Sänger ebenso souverän, wie sie die virtuose Läufe in der Motette von Johann Christoph Bach gestalteten. Nicht nur die stupende Technik, sondern auch eine elegante Stimmführung und eine wahrlich ausgefeilte Dynamik charakterisieren dieses außergewöhnliche Ensemble, in dem alle Stimmen perfekt miteinander harmonieren.

Die zwischendurch als Intermezzo eingesetzten Fugen ging Calmus leider mit zu viel Tempo an, was sie ein wenig gehetzt und verwischt klingen ließ; jedoch schmälerte dies nicht den Gesamteindruck, den die Sänger vermittelten. Anja Pöches glockenheller Sopran, der sich wunderbar zurücknahm und perfekt mit den Männerstimmen harmonierte, setzte dem tief ergreifenden „Tristis est anima mea" funkelnde Lichtblicke auf. Der anschließende spontane Beifall durchbrach die bis dahin vorherrschende, aber nicht unbedingt notwendige Stille zwischen den einzelnen Liedern.

Der zweite Teil des Abends führte von der Romantik in die Gegenwart und war weltlichen, eher humorvollen Themen gewidmet. So wurde das oft in Biederkeit erstickte „Heideröslein" von Robert Schumann mit neuem Arrangement entstaubt und erfuhr durch die passende mimische und gestische Untermalung eine ganz frische Interpretation. Noch mehr Spaß bereitete den Sängern und dem Publikum die dann folgenden kurzweiligen Stücke.

Ohne Effekthascherei, sondern intensiv und berührend zeigte Calmus in dem zweistündigen Konzert einen sehr abwechslungsreichen Ausschnitt aus der Leipziger Musikgeschichte und entließ das begeisterte und beseelte Publikum mit einer warmherzigen Version des Abendlieds von Matthias Claudius.

(Darmstädter Echo, 19. Mai 2014, Stefanie Steinert)

Auf hohem Niveau bot der Kammerchor der Darmstädter Kantorei am Samstag in der Stadtkirche Klangwelten aus Romantik und Moderne.

DARMSTADT. Mal geistlich, mal weltlich – aber beim Lauschen der Programmfolge „Zwischen Abend und Morgen“ wird klar, wie unsinnig und künstlich diese Kategorien eigentlich sind. Alle Stücke an diesem Samstagabend in der Darmstädter Stadtkirche bewegen große Themen: Vergänglichkeit, Geborgenheit, Verlust und Trost, Demut und Ergebung, eingestreut auch Impulse zur fröhlichen Lebenskunst.

Regers „Acht Geistliche Gesänge“ Opus 138 wärmen das Herz mit besänftigender Schlichtheit des Chorsatzes. Arnold Mendelssohn ist ein zu Unrecht Vergessener. Seine Motetten aus der geistlichen Chormusik op. 90 faszinieren mit melodisch eigenwilligen Wendungen, vereinen barocke und spätromantische Sphären und sind schlicht wunderschön.

Souverän meistert der Chor die „Six Chansons“ von Paul Hindemith, eine Herausforderung für die Intonationsgenauigkeit. Stimmig gelingen die Naturkontemplationen nach Rilkes Texten. Reizstark mit seinen dissonanten Reibungen klingt Frank Martin in seinen „Cinq Chansons d’Ariel“ nach Shakespeares „Sturm“. Effektbewusst verknüpft die eigenwillige Kompositionsweise rauschhafte Klänge mit Silbenspiel und Geräuschexperimenten, beleuchtet durch eine ständig oszillierende Harmonik.

Man kann nur schwärmen

Mahlers Orchesterlieder für Chor bearbeiten – dieser anspruchsvollen Aufgabe stellt sich Chorspezialist und Musikwissenschaftler Clytus Gottwald. Seine Motivation ist Verehrung für Mahlers Klänge, aber auch Erweiterung der Chorliteratur. Man kann nur schwärmen, was da gelingt: Die Transkription hüllt die Komposition „Die zwei blauen Augen“ aus den Liedern eines fahrenden Gesellen in ein neues Klanggewand, in dem der Chor bis zu 16 Stimmen ausdifferenziert wird. Das Ergebnis der intelligenten Interpretation von Kantor Christian Roß ist noch mehr Rausch, noch mehr Magie als im originalen Orchestersatz.

Johannes Brahms’ Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“ mit ihrer kontrapunktischen Setzweise beendet den Abend. Warme und homogene Klänge kreiert der Dirigent. Im Wechselspiel der Chorfarben zeigt das Ensemble erneut seine Qualität: Leuchtkraft der Stimmgruppen, reine Intonation, auch für solistische Passagen gibt es genug Potenzial im Ensemble.

(Darmstädter Echo, 14. April 2014, doru)