Vorschau – Brittens „Spring Symphony“ erklingt in der Stadtkirche

Chormusik – Szenische Variante von Distlers „Totentanz“ in Darmstadt

KonzertVorschau – Die Darmstädter Kantorei probt einen modernen „Totentanz“ in der Stadtkirche

Chorgesang – Feine Gesangskultur in der Stadtkirche: die „Darmstädter Vokalisten“

Silvester – Ein Orgelkonzert beschließt das Jahr in der Stadtkirche Darmstadt

Uraufführung – Eine neue Adventskantate von Christian Roß beim besinnlichen Konzert in der Stadtkirche Darmstadt

Konzert – Die Darmstädter Kantorei und die Philharmonie Merck präsentieren das Brahms-Requiem in der Stadtkirche

DARMSTADT. Nur kurze Zeit nach dem Tod seines Freundes Robert Schumann begann Brahms mit der Arbeit an seinem „Deutschen Requiem“. Das 1869 uraufgeführte Werk ist keine der kirchlichen Liturgie verpflichtete Totenmesse, sondern eine sehr persönliche Auseinandersetzung des Komponisten mit den Themen Tod und Ewiges Leben. Mit seinem aus Bibeltexten zusammengestellten Requiem schuf Brahms eine konfessionsübergreifende Trauermusik, die Trost und Zuversicht spenden will. Am Vorabend des Totensonntags wurde das Brahms-Requiem jetzt in der Stadtkirche von der Darmstädter Kantorei und der Philharmonie Merck unter der Leitung von Christian Roß zur Aufführung gebracht.
Trotz der hoffnungsvollen Prophezeiung des ersten Satzes „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ dominierten zu Beginn im Orchester vor allem die düster verhaltenen Töne. Während Celli und Bratschen so eine nachtschwarze Atmosphäre schufen, setzte der klare Chorklang feierliche lichte Akzente.
Aus dieser Ambivalenz zwischen Trost und Bedrängnis bezieht das Werk seine Spannung. Auch in dem von der Nichtigkeit alles Irdischen handelnden zweiten Satz verband die Philharmonie Merck den bedrängenden Gestus eines gespenstisch hohl klingenden Trauermarsches mit dem tröstlich schwebenden Charakter des Dreivierteltaktes, der der Musik zugrunde liegt.

Leider blieben emotional packende Momente wie diese im weiteren Verlauf eher die Ausnahme. Obgleich Christian Roß die reichen Kontraste und Umbrüche der Musik klar konturiert herausarbeitete, fehlte es häufig an Expressivität und innerer Überzeugungskraft. Grund dafür war neben der zu geringen Binnenspannung der einzelnen Sätze der fast vollständige Verzicht auf eine überzeugende klangliche Lichtregie.

Allzu schlank und hell geführt ließ der homogene (in hoher Lage im Sopran mitunter von Intonationsschwächen getrübte) Chorklang vor allem die leidenschaftlich dunklen Töne der romantischen Farbpalette vermissen. Trotz der organisch anschwellenden Crescendi mangelte es der klanglich allzu nüchtern gehaltenen Interpretation an Emotionalität und Emphase.

Voll ausgeschöpft wurde das dramatische Potential der Musik vom Bariton Werner Volker Meyer, der im Wechselgesang mit dem Chor die erschütternd triumphale Vision des jüngsten Gerichtes heraufbeschwor, und von der Sopranistin Adréana Kraschweski, die ihren Part mit intensiver vokaler Leuchtkraft ausstattete. Das Publikum feierte die ambitionierte Aufführung mit anhaltendem Applaus.

(Darmstädter Echo, 26. November 2012 | Silvia Adler)

Kindermusical – Singschule bringt „Ritter Rost“ auf die Bühne

Ein großes Publikum freut sich am Samstagmittag über das Kindermusical „Ritter Rost“. Die Mädchen- und Jungenkantoreien unter der Leitung von Katharina Blauert und Katja Renz bringen das mitreißende Singspiel in der Stadtkirche auf die Bühne.

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Die jungen Schauspieler werden von Kantor Christian Roß am Klavier und Jens Rönnfeldt am Kontrabass begleitet. Zunächst herrscht munteres Geplapper im Kirchenraum, denn die zahlreichen kleinen Zuschauer haben ihren Eltern noch etliches mitzuteilen. Sie sitzen auf deren Schößen, aalen und kabbeln sich. Vor lauter Neugierde erforscht so manches Kind auf allen Vieren gar den Altarraum, der für Ritter Rost und seine Gespielen als Bühne dient.

Alle klatschen, als die Darsteller anrollen. Sie ziehen die Blicke auf sich, weil es recht komische Genossen sind: Da gibt es glitzernde Roboter mit quadratischen Schädeln, eine stattliche Truppe Feuerwehrleute, das Feuer selbst, der Ritter, der als Registrierkasse daherkommt, und noch einige andere merkwürdige Dinger.

Schon beim ersten Lied, bei dem die Ritterburg, die tief im Fabelwesenwald liegt, besungen wird, bleibt den meisten die Spucke weg. Gefesselt verfolgen die Kinder vor allem auch die lustigen Arm- und Beinbewegungen der Mimen.

Große Freude bereiten ihnen sichtbar die schlagfertigen Dialoge zwischen dem Burgfräulein Bö, ihrem sprechenden Hut und Angeber Ritter Rost. Letzterer lässt sich gern bedienen, wartet eigentlich immer auf eine Rostsuppe, leckere getrocknete Stecknadelsamen oder belegte Hufeisen.

Sein Lied lässt aufhorchen: „Mein Vater hat mich hergestellt aus dem schönsten Schrott der Welt. Statt Cola oder Dosenbier trinke ich Maschinenschmier.“ Angenehme Begleitmusik wie etwa Johann Sebastian Bachs „Toccata“ ertönt wie nebenbei, als ein Vampir fledermausgleich durch den Mittelgang des Gotteshauses schwebt.

Völlig aus dem Häuschen ist „der alte Blechkopf“, wie Bö den Ritter gerne nennt, als ein „richtiger Zirkus“ in die Stadt kommt. Da macht sich der Ritter höchstselbst auf, die Vorstellung zu sehen. Tyrannisch, wie er ist, befiehlt er dem Burgfräulein, daheim die Möbel zu hüten.

Im Zirkus geht’s freilich noch turbulenter zu als bei Ritters zu Hause. Hier gibt es als besondere Attraktion einen irrwitzigen Wettstreit um die besten Fähigkeiten zwischen dem Grafen Knoblauch, dem Bauchredner, Werwolf und dem kleinen Drachen Koks. Doch, wie heißt es von alters her immer so schön? Übermut tut selten gut. Durch den eifrig Feuer spuckenden Drachen steht alsbald der Zirkus in Flammen. Selbst die Wehr ist überfordert, also muss schnell ein Elefant her.

Der vergackeiert das staunende Publikum mit seiner kleinen Wasserspritzpistole. Die paar kalte Spritzer sind schnell vergessen, als vor lauter Angst und Gejammer der Ritter Rost Schutz in seiner Trutzburg und bei seinem Ketten strickenden Burgfräulein sucht.

Fasziniert von den Stärken und Schwächen all dieser liebenswerten Wesen, den ulkigen Texten, den schmissigen Songs und den quirligen Schauspielern, verlassen die Kleinen wie die Großen lustig und erfüllt die Stadtkirche.

(Darmstädter Echo, 19. Juni 2012, max)

 

Chöre – Wer mitsingt, zahlt weniger Eintritt: Das erste „Sing-Along-Konzert“ im Staatstheater Darmstadt

DARMSTADT. Der Chor des Musikvereins Darmstadt, die Darmstädter Kantorei und viele Gast-Sänger verbreiteten große Freude im Konzert am Pfingstsonntag. Zum ersten Mal konnten die Darmstädter im Staatstheater ein „Sing-Along“ erleben.
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„Der Sopran hat gewonnen“, meinte augenzwinkernd ein Besucher des ersten Darmstädter Sing-Along-Konzerts am Pfingstsonntag im Darmstädter Staatstheater. Nein, um eine Sängerschlacht im Sinne von Wagners „Meistersingern“ ging es nicht bei der Aufführung von Händels „Messias“. Aber ein großes Sängerfest lieferten die vereinigten Chöre des Darmstädter Musikvereins und der Darmstädter Kantorei allemal, die von kurzfristig begeisterten Sängern im Publikum unterstützt wurden. Darunter befanden sich viele Sänger aus nicht teilnehmenden Chören.

Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Gäste den Messias schon einmal gesungen hatten, den Klavierauszug besaßen, eine ermäßigte Eintrittskarte erworben und an einer Probe am Samstag teilgenommen hatten. Geschätzte 400 Sänger schienen viel Spaß bei der Sache zu haben, wie auch das nicht sehr große übrige Publikum. Den besten Platz hatten wohl die beiden Dirigenten, Stadtkirchenkantor Christian Roß und der neue Chordirektor des Staatstheaters, Markus Baisch. Zwischen den Chören auf der Bühne und den Gastsängern in den vorderen Reihen des großen Hauses muss sich ihnen ein phänomenal satter Surround-Sound präsentiert haben.
Dass unter den gegebenen Umständen keine ganz ausgefeilte Dynamik oder perfekt aufeinander abgestimmte Einsätze der Chöre zu erwarten waren, war klar. Aber dennoch erstaunte die Geschlossenheit der Aufführung, was auch der hervorragenden Leistung der Musiker des Staatsorchesters und der Solisten Aki Hashimoto (Sopran), Erica Brookhyser (Alt), Minseok Kim (Tenor) und Werner Volker Meyer (Bass) zuzuschreiben ist. Vor allem Hashimoto begeisterte in ihren Arien mit müheloser Höhe, blitzblanken Koloraturen und einfallsreichen Verzierungen. Im Orchester erfreute besonders die klangschön gespielte Trompete in der Arie „The trumpet shall sound“, die Meyer freudig-temperamentvoll gestaltete.
Sinnvoll ergänzten sich die beiden Chorleiter, die über Bildschirme zu den Gast-Sängern hin übertragen wurden: hier der auf Bedächtigkeit hin agierende Christian Roß, dort ein energetisch stärker aufgeladener Markus Baisch. In der Zugabe managten beide das berühmte „Halleluja“ im Doppelpack. Roß dirigierte die Gäste, Baisch die Chöre. Der minutenlang anhaltende Beifall galt allen Beteiligten.

(Susanne Döring, Foto: Claus Völker, Darmstädter Echo, 29.05.2012)

Chorkonzert – Schöne junge Stimmen bei einer Matinee in der Darmstädter Stadtkirche